Off-Road mit 4x4 in Lettland  08. - 10.10.2004                                

Um geht es hier eigentlich?
Die Radi-Trophy ist ein Veranstaltung bei der es in erster Linie um den Fun geht. Ein Team besteht aus einem Fahrzeug mit Pilot und Navigator. Es werden Touren unternommen die alle gemeinsam bestreiten und mit Spezialprüfungen aufgelockert und gewertet werden.
Die Roadbook-Touren müssen in einer vorgegebenen Zeit abgefahren werden. Das Hilfsmittel ist das Roadbook, d.h. es ist jede Kreuzung eingezeichnet mit dem Hinweis in welche Richtung es weiter geht. Zusätzlich ist bei den Steckenabschnitten die Distanz angeben. Die Schwierigkeit besteht darin, dass mit dem Tripmaster (GPS oder Tageskilometerzähler) die Distanz nicht immer exakt zu bestimmen ist und die Wege meist nicht als solche zu erkennen sind.
Bei den GPS-Touren bekommt man die anzufahrenden Punkte auf das GPS geladen und man muss diese ohne weiter Hilfsmittel anfahren. Das ist nicht ganz einfach, denn die Wege biegen in ungeahnte Richtungen ab, oder der direkte Weg ist unpassierbar. Natürlich wird auch hier die Zeit vorgeschrieben. Z.T. wir in 2er Gruppen gestartet, da die Passagen alleine unüberwindbar sind. Meistens ist aber jedes Team gefordert und kämpft sich selbst durch die Hindernisse. Natürlich wird auch bei diesen Prüfungen sich gegenseitig geholfen, wenn man sich zufällig trifft. Aber der Ergeiz ist bei allen zu spüren, obwohl die Fairness an oberster Stelle steht. Bei allen Events wird bis tief in die Nacht gefahren, so dass erschwerend dazukommt, dass die Orientierung im Dunkeln nicht einfach ist. Auch bleibt für das Fotografieren auf den Prüfung meist keine Zeit, weil man wirklich mit ganzem Einsatz sich der Aufgabe widmet. Es ist auch auf den Fotos schwer herauszulesen wie tief das Terrain wirklich war oder wie schnell man durch die Pampas unterwegs ist. Ich hoffe es ist uns doch gelungen hier einen kleinen Eindruck zu geben.

08.10.04
Unsere Truppe, bestehend aus Tobi und Christoph im Toyota HiLux und Steff und Markus im Mitsubishi Pajero, bricht um 13:30 Uhr auf in das grosse Abenteuer. Bis nach Bregenz kommen wir gut voran, nur üben wir uns in Geduld bei den endlosen Staus durch die Dörfer. Endlich wieder auf der Autobahn können wir unsere ideale Reisflughöhe erreichen. Bei der ersten Pause richt es komisch nach verbrannten Kunststoff. Mein Endrohr des Auspuffs hat sich aus der Halterung gelöst und den Kotschutzlappen angeschmort. Obwohl ich noch gross am Funk erzählt habe, dass ich zum Fahren aufgebrochen bin und nicht um das Auto zu reparieren kam es halt schnell anders... Auch beim Toyo-Team kommt es zu kleineren Einstimmungsproblemen: Christoph vergisst die Handbremse zu lösen und fährt weiter auf der Bahn im 4ten Gang. Aber diese Kleinigkeiten sind in nächsten Stau schnell wieder vergessen. So fahren wir über Ulm in Richtung Gera. Da kommt es auch zu einer haarsträubenden Situation. Vor Markus bremst ein Wagen auf der 3ten (!) Spur voll ab um die Ausfahrt noch zu erwischen. Mit dem vollgepackten schweren 4x4 und 150km/h bedurfte es fahrerischen Können einem Unfall zu entgehen. Nach dieser Schrecksekunde nähern wir uns Gera und nach 606km um 21Uhr kommen wir bei Robby an. Da werden wir verpflegt und können hier auch nächtigen.

09.10.04
Früh weckt uns der Duft von frischen Kaffee. Nach dem Frühstück packen wir wieder zusammen und machen uns auf den weiten Weg durch Polen. Um 7Uhr sind wir mit einem Fahrzeug mehr im Convoi unterwegs, kommen gut voran und passieren ohne Probleme die polnische Grenze. Hier stehen bei jeder Ampel Kinder die einem die Scheiben reinigen wollen. Über die Landstrassen kommen wir nur gemächlich voran, da immer viele Fiat 126 oder LKW die Route blockieren. Doch wir gewöhnen uns an die vielen Überholmanöver und erreichen endlich die „Autobahn“ nach Warschau. Da hat es viele Baustellen, dass wir auch hier kein Rennen gewinnen. An den Strassenrändern werden hier massenweise Pilze angeboten, die Christoph leider nicht ausstehen kann. In Warschau verfahren wir uns trotz GPS-Navigation und machen einen Abstecher in die Stadtmitte. Natürlich ziehen wir in den nichtendenwollenden Staus die Blicke aus uns. Die Fahrweise der Einheimischen ist teilweise eher kriminell, so werden wir auch viel von Auffahrunfällen aufgehalten. Ausser einer 15min und diversen Pinkelpausen haben wir noch keine Ruhepausen gemacht und wechseln uns mit dem Fahren ab. Das Ziel (Suwalki) ist noch in weiter Ferne. Es dunkelt bereits ein als wir nach Warschau wieder auf den Autostrassen unterwegs sind. Das Verkehrsaufkommen nimmt ständig ab uns so kommen wir mit bis 110km/h auch auf den einspurigen Strassen gut zurecht. Mit den Verkehrsgesetzten nimmt es hier niemand so genau und wir passen uns dem an. Nach rund 1000km und um 21Uhr kommen wir in dem Hotel in Suwaki an. Alle sind gezeichnet von der langen Reise und haben teilweise müde Stellen im Gesicht. Hier treffen wir auch die deutschen Teams die das Ziel schon früher erreicht haben. So stehen hier 2 Puch (Mercedes G) 3 Pajeros und ein HiLux auf dem bewachten Parkplatz. Wir beziehen unsere Zimmer und bekommen einen ersten Eindruck von den Piloten und Beifahrer.

10.10.04
Nun können wir länger schlafen (ausser der Zimmergenosse ist früh wach) und freuen uns auf einen feinen Kaffee. Doch wird uns nur eine durchsichtige Brühe aufgetischt... Egal, wir lassen uns das Frühstück schmecken und satteln unsere Pferde auf ein neues. Mit den 7 Autos belagern wir eine Tankstelle und machen uns auf den Weg über Litauen nach Lettland. Mit dem ganzen Konvoi kann nicht mehr so schnell gefahren werden und so cruisen wir gemütlich durch eine wunderschöne Gegend. Der Herbst ist auch hier offensichtlich im Anmarsch, den die Wälder stahlen in einem gelb-rot schimmerden Kleid. Die kleinen Häuser sind einfach aufgebaut und meist nur mit Blechdächern bedeckt. Die Tiere (Pferde und Kühe) werden auf den grossen Landflächen einfach an einem Strick angebunden. Wie macht das wohl ein Grossbetrieb? Doch werden auch viele Pferde frei gesichtet die gemütlich am Strassenrand weiden. Die Gegend erinnert mich stark an Schweden. Nach 410km kommen wir in Radi (Lettland) an. Wir beziehen unsere feudalen Zimmer und geniessen das erste sensationelle Essen.